Unter diesem Leitgedanken fand am 7. Mai 2025 die zweite große Transferveranstaltung des Kompetenzzentrums KREIS am Niedersächsischen Forschungszentrum Fahrzeugtechnik (NFF) in Braunschweig statt, die gemeinsam mit dem Arbeitgeberverband Braunschweig organisiert wurde. Ziel war es, zentrale Fragen zur zirkulären Transformation von Wirtschaft und Arbeit zu diskutieren und Akteurinnen und Akteure aus Wissenschaft und Praxis zusammenzubringen. Nach einer thematischen Einführung durch Prof. Dr. Simone Kauffeld, Leiterin des Kompetenzzentrums, boten zwei Keynotes erste Impulse: Dr. Tim Seewöster (asgoodasnew) sprach über Chancen und Herausforderungen zirkulären Konsums und betonte, dass Refurbishment längst über den Trendstatus hinausgewachsen sei.Prof. Dr. Anne Paschke und Tobias Rido Busse (Technische Universität Braunschweig) beleuchteten in ihrem Beitrag „Mission (Im)possible: Transformation in turbulenten Zeiten“ die rechtlichen Rahmenbedingungen der Circular Economy. Ihr zentrales Fazit: Transformation erfordert verlässliche juristische Leitplanken, die Innovation ermöglichen und gleichzeitig regulierend wirken. Ein weiterer Höhepunkt war die Podiumsdiskussion mit den Keynote-Speakern sowie Prof. Dr. David Woisetschläger (Technische Universität Braunschweig), Prof. Dr. Ani Melkonyan (Technische Universität Clausthal), Dr. Heiko Martens (elpro) und Jonathan Lambers (Kompetenzzentrum KARE). Die Diskussion verdeutlichte: Die Gestaltung einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft setzt die Fähigkeit voraus, mit Widersprüchen und Unsicherheiten umzugehen – entscheidend ist, den Blick auf die Chancen von Nachhaltigkeit zu lenken, anstatt auf den Verzicht. Im Anschluss konnten Teilnehmende in mehreren Workshops aktuelle Fragestellungen vertiefen. Diese wurden von den thematischen ArbeitsKREISen und dem Kompetenzzentrum KOMATRA vorbereitet und durchgeführt. Themen waren unter anderem: Circular Thinking: Nachhaltige Geschäftsmodelle für PV-Module entwickeln Der Workshop „Circular Thinking: Nachhaltige Geschäftsmodelle für PV-Module entwickeln“, wurde gemeinsam von Christopher Dormeier vom Entrepreneurship Hub und Zahra Ghazanfarpour aus dem PV-KREIS-Projekt vom Institut für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik geleitet. Der Workshop widmete sich den Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft für PV-Module. In einem interaktiven und gemeinschaftlichen Ansatz entwickelten die Teilnehmenden zirkuläre Geschäftsmodelle und nutzten hierfür Kartendecks mit abstrahierten, anpassbaren Lösungsansätzen (Patterns). Sie lernten verschiedene Geschäftsmodellansätze kennen und entwickelten ein besseres Verständnis für die Rollen der beteiligten Akteure sowie deren gegenseitigen Abhängigkeiten. Die Teilnehmenden begannen damit, potenzielle Konfigurationen einer zirkulären Wertschöpfungskette für PV-Module zu erarbeiten und identifizierten die dafür erforderlichen Akteure für eine Kreislaufwirtschaft. In Kleingruppen gestalteten sie verschiedene zirkuläre Geschäftsmodelle für die Akteure und stimmten die Schnittstellen zwischen den jeweiligen Geschäftsmodellen aufeinander ab. Dabei wurde deutlich, dass die Umsetzbarkeit der gewählten Geschäftsmodelle stark von den Entscheidungen anderer Akteure abhängt und dass Zielkonflikte die Implementierung beeinträchtigen können. Den Teilnehmenden wurde so vor Augen geführt, dass beim Innovieren von zirkulären Geschäftsmodellen das Circular Thinking, also das Denken über die eigenen Unternehmensgrenzen hinaus, entscheidend ist. Geschäftsmodelle beteiligter Akteure müssen kompatibel sein – idealerweise sollten sie aufeinander abgestimmt sein –, um eine funktionierende Kreislaufwirtschaft zu realisieren. Recht auf Reparatur – Wie sinnvoll ist das neue Gesetz? In dem Workshop „Recht auf Reparatur – Wie sinnvoll ist das neue Gesetz?“ des Arbeitskreises work4recycling haben Dr. Heiko Martens (ELPRO Elektro Recycling GmbH) und Dr. Kerstin Schmidt (TU Braunschweig, Institut für Automobilwirtschaft und Industrielle Produktion) mit den Teilnehmer:innen Chancen, Herausforderungen und konkrete Barrieren des neuen Gesetzes aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Ziel war es, nicht nur die Auswirkungen dieser Initiative zu erfassen, sondern auch Wege aufzuzeigen, wie ihre Umsetzung gelingen kann. Aus Verbraucher:innenperspektive werden verschiedene Vorteile wie besseren Zugang zu Anleitungen, Ersatzteilen, modularer Bauweise, einem Reparaturindex sowie Transparenz bei Kosten benannt, ergänzt durch Ideen wie Reparaturcafés und Leihgeräte. Gleichzeitig werden aber auch Risiken wie höheren Anschaffungspreisen, überhöhten Teilekosten und der Mehrbelastung für weniger versierte Nutzer:innen gesehen. Unternehmen sehen Chancen in nachhaltigem Redesign, „Langlebigkeitsmarketing“, Ersatzteil‐ und Serviceumsätzen sowie zertifizierten Reparaturpartnern, fürchten jedoch Umsatzeinbußen bei Neugeräten, Wissensverlust an Dritte und Konkurrenz aus Regionen ohne Regulierung. Der Erfolg hängt deshalb von klugen Gesetzen, Kooperation zwischen Herstellern und unabhängigen Werkstätten sowie einem Sinneswandel bei Verbraucher:innen, Politik und Wirtschaft ab, um Nachhaltigkeit, fairen Wettbewerb und längere Produktlebensdauern zu realisieren. Arbeitspolitische Herausforderungen in der Kreislaufwirtschaft: Welche Bedeutung haben die Sozialpartner? Welche Rolle könnten die Sozialpartner spielen? Sozialpartnerschaft in ihren verschiedenen Ausprägungen ist in Deutschland ein wichtiger Faktor der Wirtschafts- und Arbeitspolitik. Kreislaufwirtschaft lässt sich allerdings keiner einzelnen Branche oder spezifischen Betriebstypen zuordnen, sodass sich die Frage stellt, welche Rolle die verschiedenen für die Kreislaufwirtschaft relevanten Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften bei der Transformation in Richtung Kreislaufwirtschaft und der Bewältigung der damit einhergehenden arbeitspolitischen Herausforderungen spielen. In einem vom SOFI Göttingen (Martin Kuhlmann und Tammo Mannott) organisierten Workshop wurden daher auf Basis erster Eindrücke aus Fallstudien Ist-Erfahrung und Perspektiven der Sozialpartnerschaft in der Kreislaufwirtschaft diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass es zwar punktuelle, eher industriepolitische Initiativen zum Thema Kreislaufwirtschaft gibt, das Thema bislang jedoch auf überbetrieblicher Ebene (noch) nicht Gegenstand sozialpartnerschaftlich organisierter Arbeitspolitik ist. Auch bei der Zusammenarbeit der betrieblichen Sozialpartner finden sich nur vereinzelt Initiativen – insbesondere im Bereich Abfallvermeidung und Recycling. Gerade eine kreislaufwirtschaftsförderliche Verzahnung von betrieblichen und überbetrieblichen Initiativen ist bislang noch nicht gegeben. Der von einigen Teilnehmenden geschilderte überbetriebliche Erfahrungsaustausch findet eher entlang etablierter Netzwerke der regulären Verbandsarbeit, von Fachkräftebündnissen oder vermittelt über regionale Wirtschaftsförderungseinrichtungen statt. Mit Ausnahme des Netzwerks REWIMET e.V. spielen Kreislaufwirtschaftsthemen dabei bislang jedoch (fast) keine Rolle. Als mögliche Perspektive wurde daher genannt, die arbeitspolitischen Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft als Thema in diese Netzwerke hineinzutragen und dies auch als Aufgabe der Gewerkschaften zu sehen. Konkret würde es dabei z.B. um Themen wie den Bekanntheitsgrad und die Sinnhaftigkeit von Arbeit in der Kreislaufwirtschaft als Mittel der Fachkräfterekrutierung oder um die Erschließung von Wirtschaftlichkeitspotentialen oder Geschäftsideen gehen. Hierüber könnte es zudem gelingen, den in der Kreislaufwirtschaft sozialpartnerschaftlich bislang wenig erschlossenen, aber relevanten Betriebstyp der Startups besser zu erreichen und zu unterstützen. Digitale Zwillinge für eine zirkuläre Zukunft: Von Daten zu Taten Im Workshop „Digitale Zwillinge für eine zirkuläre Zukunft: Von Daten zu Taten“, der durch den work4wendeKREIS ausgerichtet wurde, beschäftigten sich die Teilnehmenden mit der Frage, welche Anforderungen ein Digitaler Zwilling eines Fahrzeuges in der Kreislaufwirtschaft hat. In diesem Zusammenhang wurde deutlich, wie der Digitale Zwilling die Kommunikation zwischen den Stakeholder*innen des Produktlebenszyklus unterstützen kann, z. b. indem Echtzeit-Sensordaten aus dem Fahrzeugbetrieb im Digital Twin verarbeitet, aufbereitet und visualisiert werden und so Entwicklungs-, Produktions- und Service-Teams auf einer gemeinsamen Datenbasis Entscheidungen treffen können. Zudem wurde hervorgehoben, wie ein Digitaler Zwilling den Verschleiß von Fahrzeugkomponenten vorhersagen kann, um eine effizientere Wartungsplanung zu